Auch uns hat der Internet-Hass schon unmittelbar und ungefiltert erwischt.
Wir wurden Zielscheibe von undefiniertem Groll, unerklärlicher Hetzjagd und, das wohl Schlimmste für weibliche Social Media-Nutzerinnen, wir wurden zu Objekten der sexuellen Frustration degradiert.

Wir fragten uns hilflos:
Was haben wir falsch gemacht?

Die Antwort ist: Nichts.
Das Problem liegt in der Anonymität des Internets.

Und in der Tatsache, dass einzelne Internet-Nutzer online ihrem Hass freien Lauf lassen und keine Grenzen kennen.

Wir erholten uns von unseren Verletzungen und hatten das Bedürfnis, anderen Betroffenen zu helfen; Grenzen zu setzen gegen den Hass in der digitalen Welt. Nie mehr sollte sich jemand hilflos und alleine diesem Sturm der Hasskommentare und –postings ausgesetzt sehen (oder fühlen). Es sollte eine Anlaufstelle geben, an welche sich betroffene Personen wenden können.

Im Oktober 2016 gründeten wir also den Verein #NetzCourage – the hatespeech ambulance. Ein Verein, welcher uns einerseits als Instrument dienen soll, den Internet-Hass in der Öffentlichkeit zu thematisieren, andererseits aber vor allem betroffenen Menschen Hilfe anbietet. Sei dies nun Hilfe bei juristischen Schritten, persönlichen Gesprächen oder Rat im Umgang mit den Shitstorms.

Seit der Gründung unseres Vereines begleiten wir vorwiegend junge Frauen der Öffentlichkeit, welche dieser verbalen Gewalt unverhofft ausgesetzt sind (darunter Jungpolitikerinnen, Autorinnen, Aktivistinnen) wie aber auch Privatpersonen, welche sich durch klare Statements oder Äusserungen plötzlich einem extremen, verbalen Hass ausgesetzt sehen. Wir sichten Kommentare, Nachrichten, Mails etc. und versuchen vorderhand (soweit möglich) deeskalierend in Gespräche einzugreifen, die Kommentierenden auf ihre Entgleisungen aufmerksam zu machen. Ebenso unterstützen wir betroffenen Personen bei der Erstellung von Strafanzeigen, vor allem betreffend Ehrverletzungen, Drohungen, Aufforderungen zur Gewalt oder Rassismus.

Für uns ist wichtig, dass die Hilfe von #NetzCourage für Betroffene kostenlos ist und bleibt.

Diese Arbeit machen wir bis jetzt ehrenamtlich mit der Gewissheit, dass wir noch deutlich mehr machen könnten und müssten.

Wir führen Workshops bei Organisationen und Firmen durch und referieren über den Hass im Netz, auf Podien oder sonstigen Veranstaltungen. Wir vermitteln Lösungsansätze, wie dem Hass entgegengetreten werden kann. Ebenfalls unterrichten wir an Schulen, wo wir auch die Täter erreichen können.

Nimm bei Interesse mit uns Kontakt auf.
Werde Mitglied. Wenn es dir möglich ist, unterstütze unser Engagement mit einer Spende. Herzlichen Dank.

#NetzCourage ist politisch neutral. Denn der Hass ist es auch.

“Wer eine eigene – eventuell unbequeme – Meinung hat, sieht sich irgendwann mit lautem Gegenwind konfrontiert im Internet. Nicht jeder kann wie ich über Jahre lernen mit diesem Phänomen umzugehen. Bei irrationalen und unfairen Attacken kann dieser Verein Hilfe bieten.”

Gimma
GimmaSchweizer Musiker und Autor@gimmasworld

„Weil wir gegen Sexismus kämpfen, im Netz und auf der Strasse. Damit die nächste Kandidatin auch Präsidentin wird. Damit sich mehr Frauen* trauen. Gemeinsam sind wir stärker. Courage!“

Tamara Funiciello
Tamara FunicielloPräsidentin JUSO Schweiz@tamarafuniciell

“Cybermobbing und Beschimpfungen im Internet gehören konsequent bekämpft. Es freut mich sehr, dass mit #Netzcourage ein Verein entsteht, der mit erfahrenen Leuten gegen diese Missstände ankämpft. Mit einer sinnvollen Präventionsarbeit und professioneller Rechtsberatung kann der Verein sicherlich viel bewirken!”

Luca Strebel
Luca StrebelJCVP Schweiz@strebelluca

„Zu Meinungsfreiheit im Netz gehört auch, keine Angst vor Hasstiraden und Drohungen haben zu müssen. Dank #NetzCourage sind die Opfer von Hatespeech nicht mehr allein und können sich freier äussern.“

Stefan Thöni
Stefan ThöniCo-Präsident Piratenpartei Schweiz@pirateexception

„Hatespeech ist eine Form von Gewalt. Bestimmte Menschen (queere, weibliche, nicht-weisse usw.) sollen zum Schweigen gebracht werden. Es geht ums Vernichten, nicht ums Debattieren. Das Internet ist ein Ort der Wirklichkeit, und es braucht hier Regeln und Gegenstrategien genauso wie in der analogen Wirklichkeit. NetzCourage ist ein wichtiger Schritt.“

Franziska Schutzbach
Franziska SchutzbachMit-Initiantin „SchweizerAufschrei“ und Mitglied von NetzCourage@f_schutzbach

„Le respect d’autrui doit être une évidence et une prémisse à toute relation interpersonnelle, peu importe où celle-ci a lieu. Cette règle est aussi valable pour les réseaux sociaux.“

Adèle Thorens Goumaz
Adèle Thorens GoumazConseillère nationale de Vaud, Verts suisses

„Egal, welche politische Meinung man vertritt: Im Internet Andersdenkende anonym zu beleidigen und zu verschmähen, ist nicht nur feige und ehrenlos. Vielmehr gefährden Schmutzkampagnen und Shitstorms die für eine lebhafte Gesellschaft notwendige demokratische Debattenkultur, bei der jeder mit offenem Visier seine Meinung vertritt und das Gegenüber respektiert.“

Anian Liebrand
Anian Liebrandehem. Präsident Junge SVP Schweiz